Misserfolge, Fehler und Learnings in der nebenberuflichen Selbstständigkeit

Meine Misserfolge und Fehler in der nebenberuflichen Selbstständigkeit

Schaut man sich auf diversen Social Media Profilen von einigen Selbstständigen um, so wird die Selbstständigkeit doch häufig als recht glamouröser Arbeitsalltag dargestellt: Spannende Meetings, exotische Reisen und Co-Working in modernen Locations. Auf Social Media lieben wir es, unsere Erfolge zu teilen. Aber mal ehrlich: Wie häufig sehen wir einen Unternehmer mit tiefen Augenringen Nachtschichten schieben, weil er eine Deadline halten muss? Wie häufig dürfen wir daran teilhaben, wenn jemand einen Großkunden verloren hat und ihn nun schlaflose Nächte plagen? Wie oft zeigt uns jemand seinen Kontostand, wenn darauf nicht 50.000 Euro, sondern 1.500 Euro im Monat stehen, während die laufenden Kosten 5.000 Euro überschreiten?

Richtig: Niemand macht das, oder zumindest nur sehr wenige. Tatsache ist es aber, dass sich jeder Unternehmer (nebenberuflich oder hauptberuflich) schon kleineren oder größeren Herausforderungen stellen musste.

Als ich meine nebenberufliche Selbstständigkeit Anfang 2017 begann, war mir überhaupt noch nicht bewusst, was alles auf mich zukommen wurde. Über die letzten 3,5 Jahre hinweg begegneten mir wundervolle Menschen, großartige Möglichkeiten und beachtliche Erfolge. Genauso machten aber auch die Misserfolge, Fehler und Herausforderungen nicht Halt vor mir. Und weißt du was? Darüber bin ich auch sehr froh. Ich durfte in dieser Zeit unheimlich viel lernen und wäre ohne all das heute vermutlich nicht da, wo ich aktuell stehe.

Ganz ehrlich? Auf ein paar Dinge hätte ich aber natürlich gut und gerne verzichten können. Nun bin ich der Meinung, dass es vollkommen ausreicht, wenn einer von uns diese Fehler begeht. Aus diesem Grund möchte ich mein Business heute für dich ein bisschen nackig machen und dir die Erfahrungen mitgeben, die du gern von mir übernehmen kannst und nicht selbst machen musst.

#1 Ich habe meine nebenberufliche Selbstständigkeit wie ein Hobby behandelt – nicht wie ein Business

Es war mein Geburtstag im Jahr 2017 als ich mein Nebengewerbe beim örtlichen Gewerbeamt anmeldete. Ich kann mich noch daran erinnern, als ob es gestern gewesen wäre. Ich war unglaublich aufgeregt und konnte es gar nicht erwarten, zu starten. Als endlich die Steuernummer vom Finanzamt ankam, wusste ich: Jetzt kann es losgehen!

Natürlich hatte ich mir bereits Gedanken darüber gemacht, was ich machen wollte. Ich habe über einige Monate hinweg aber eines feststellen müssen: Es ging überhaupt nicht voran.

Problem:

Ich habe mein Side Business nicht wie ein Business, sondern wie ein Hobby behandelt. Ich hatte keine Möglichkeit geschaffen, wie ich Geld verdienen konnte, steckte aber dennoch nahezu meine ganze Freizeit neben meinem Hauptjob in dieses Herzensprojekt.

Herausforderung:

Ohne zu Beginn zu wissen was auf mich zukam, musste ich mir ein Unternehmer-Mindset aneignen. Ein Mindset, das mich dazu bringen würde, mein Side Business auch als Business zu sehen – mit allem, was dazugehörte: Strategie, Marketing, Sales. Obwohl ich in der Theorie wusste, wie alles funktionieren würde, musste ich diese auch in der Praxis umsetzen können.

Learning:

Ich fing damals damit an, in meinen Lehrbüchern und Online Kursen zu wühlen und nach der Strategie zu suchen. Stattdessen lag die Antwort auch damals schon in meinem Inneren. Ich musste in mein Innerstes reinfühlen und da die Antwort auf die Frage „Was will ich wirklich?“ heraufbeschwören. Unternehmertum beginnt nicht bei Strategien und Businessplänen. Unternehmertum beginnt beim Unternehmer und seinem Mindset. Ich entschied mich also dazu, die innere Arbeit anzugehen. Ich startete diese Arbeit mit (Business) Coaches wie Melyssa Griffin und Laura Kessner. Auf meinem weiteren Weg begleitete mich dann auch Jaimie Henze, die mit ihrem Coaching und ihren Retreats immer wieder das nächste Level aus meinem Mindset herausholte.

Next steps:

Meine Basis ist geschaffen – das ist der wichtigste Grundstein. Ich stand lange vor dem Dilemma, das Gefühl zu haben, jedes Hobby müsste zu einem lukrativen Business werden. So ist es natürlich nicht. Nachdem ich mir meine Selbstständigkeit nun aufgebaut habe, ist zukünftig dann auch wieder mehr Zeit für Herzensprojekte, die als Hobby bestehen dürfen. Grundsätzlich würde ich aber immer zwischen Hobby und Kern-Business trennen. Nur so lässt sich für mich langfristig und nachhaltig eine gesunde Balance schaffen.

#2 Ich habe viel geplant und zu wenig umgesetzt

Ich bin ein Organisationsfreak und liebe es zu Planen – das war schon immer so. Grundsätzlich bin ich auch der Meinung, dass ein guter Plan und eine durchdachte Struktur wichtig sind. Sie können uns allerdings auch extrem ausbremsen.

Ich habe lange Zeit nur darüber nachgedacht, wie es sein könnte, was ich möchte und wie ich es möchte. Das sind wichtige Überlegungen, die allerdings nichts bringen, wenn sie reine Überlegungen bleiben und keine Handlungen auf sie folgen. Ja, meine Konzepte waren durchdacht und ausgearbeitet, passiert ist aber nichts.

Problem:

Ich habe viel Zeit in meine Planung und Konzeption investiert, allerdings hat niemand von mir und meinem Business erfahren und ich habe nie ein konzipiertes Angebot nach außen kommuniziert. Der Plan musste für mich perfekt sein und das war er (in meinen Augen) nie.

Herausforderung:

Den Organisationsfreak in mir hinter mir lassen und in die Umsetzung gehen. Das war ein Terrain, auf dem ich mich vor meiner nebenberuflichen Selbstständigkeit nie bewegte. Deshalb war dieser Schritt mit einer enormen Erweiterung meiner Komfortzone verbunden, die auch ein gewisses Risiko mit sich brachte: Ich würde mein Angebot kommunizieren und kann die Reaktionen darauf eben nicht planen.

Learning:

Das beste Konzept bringt nichts, wenn man es nicht umsetzt. Man wird nur wissen, ob der Plan funktioniert, wenn man ihn nach außen kommuniziert und ihn testest. Perfektionismus sollte einem dabei nie im Weg stehen. Den Spruch “Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen” darf man sich da ruhig mal zu Herzen nehmen. Wir alle dürfen lernen und uns entwickeln. Das können wir aber nur, wenn wir starten.

Next steps:

Natürlich werde ich auch weiterhin Konzepte schreiben – das finde ich nach wie vor wichtig und bildet die solide Basis eines jeden Unternehmens. Genauso werde ich aber auch sicherstellen, dass auf das fertige Konzept die Umsetzung bzw. Testphase folgt. Auch (oder gerade) wenn es noch nicht perfekt ist.
Tipp: Binde deine Community bereits in den Erstellungsprozess schon mit ein. So kannst du leichter auf ihre Bedürfnisse reagieren und eine Leistung erschaffen, die zu hundert Prozent zu ihnen passen.


Mentorings für deine nebenberufliche Selbstständigkeit

Vom Planen in die Umsetzung zu gehen, kann gerade zu Beginn der nebenberuflichen Selbstständigkeit oft nicht so leicht sein. In den Side Business Mentorings musst du diesen Weg nicht allein gehen, sondern hast mich als deine beste Business-Freundin an deiner Seite. Hier kannst du dich mehr über die Side Business Mentorings informieren.


#3 Ich habe aufgegeben – zweimal innerhalb kürzester Zeit meiner nebenberuflichen Selbstständigkeit

“Aufgeben” definieren die meisten von uns als klassischen Misserfolg. Für mich war es das aber überhaupt nicht. Ich unterscheide gern zwischen zwei Formen:

Tatsächliches Aufgeben: Ich löse mich von einem Projekt, weil ich die Herausforderungen, die es mit sich bringt nicht mehr stemmen will und den bequemen Weg wähle.
Wachsen und weitermachen: Ich löse mich von einem Projekt, weil es nicht mehr zu mir passt und ich Platz für ein passenderes Projekt machen muss.

Das erste Mal etwas aufgegeben habe ich Ende 2017: Mein Fashion & Lifestyle Blog musste für eine neue Nische (Karriere, Motivation und Selbstverwirklichung) weichen.
Das zweite Mal aufgegeben habe ich Anfang 2019: Mein Karriere-Blog musste einem Online Business weichen, das sich auf die Nebenberufliche Selbstständigkeit spezialisiert hatte

Problem:

Ich fühlte mich nie richtig wohl mit meinen Themen und änderte innerhalb kurzer Zeit mehrfach das Thema sowie sogar die Sprache (der Fashion & Lifestyle Blog und auch der Karriere Blog zu Beginn, waren auf Englisch – erst später entschied ich mich dafür, nur den deutschsprachigen Markt zu bedienen) auf Instagram.

Herausforderung:

Ich wollte für meine nebenberufliche Selbstständigkeit die richtige Nische finden, die mir zusagt und in der ich langfristig bleiben möchte. Ich musste also suchen und experimentieren und mich gleichzeitig nicht davon entmutigen lassen, dass ich meine Projekte so häufig wieder “aufgab”.

Learning:

Wir müssen nicht zu Beginn wissen, was wir für den Rest unserer Zeit als Unternehmer machen möchten – wir dürfen uns umentscheiden, wenn wir wachsen, sowohl persönlich als auch beruflich. Unsere Selbstständigkeit darf natürlich mit uns wachsen.

Next steps:

Ja, ich achte inzwischen darauf, dass ich jedes neue Projekt und jede neue Möglichkeit gut durchdenke bevor ich sie annehme. Es passiert mir deshalb nicht mehr, dass ich alles von Grund auf ändere (zumindest zum aktuellen Zeitpunkt nicht). Bis heute lasse ich aber bestehende Projekte gehen (und werde das auch in Zukunft tun), wenn sie nicht mehr zu mir passen.

#4 Ich habe mein erstes offizielles Geschäftsjahr mit mehreren tausend Euro Minus abgeschlossen

Als mein erstes offizielles Geschäftsjahr bezeichne ich gerne das Jahr 2019, da ich hier damit angefangen habe, meine nebenberufliche Selbstständigkeit auch als Business und nicht mehr als Hobby zu sehen.
Hinzukam, dass Anfang 2019 ein weiteres Projekt – „Blossy Event“ – mit meiner Geschäftspartnerin Nadja zu einem Teil meiner nebenberuflichen Selbstständigkeit wurde.
Im April 2019 kam außerdem mein Rebranding zum Thema “Nebenberufliche Selbstständigkeit”.

Ich wusste, dass ich nun auf dem richtigen Weg war und investierte viel Zeit und viel Geld, was sich aber eher auf lange Sicht auszahlte, wie ich Ende des Jahres feststellen musste. Das Ergebnis daraus war: 2019 war für meine Selbstständigkeit ein Minus-Geschäft.

Problem:

Ich steckte extrem viel Zeit und Geld in mein Business und es blieb am Ende nichts hängen.

Herausforderung:

An den Erfolg meiner nebenberuflichen Selbstständigkeit weiterhin glauben und nicht aufgeben,

Learning:

„Man muss Geld reinstecken, damit welches rauskommen kann“ – an diesem Spruch ist viel Wahres dran und auch wenn es mal länger dauert, werden sich die richtigen Investitionen lohnen.
Mein zweites Learning war: Ich weiß, dass es genau das richtige ist, was ich tue, sonst wäre ich in dieser Zeit sicher nicht dran geblieben und hätte meine nebenberufliche Selbstständigkeit nicht weiter verfolgt.

Next Steps:

Ich setze den Fokus auf die Ausarbeitung meiner Leistungen, die perfekt für meine Klienten sind und sinnvoll Prioritäten setzen. Damit erziele ich unmittelbar einen Umsatz, der mich am Ende mit einem Plus aus dem Geschäftsjahr gehen lässt. Erst danach kommen alle Dinge, die nur mittelbar zu meinem Erfolg in der Selbstständigkeit beitragen (z.B. Content Marketing).

#5 Ich habe mich zu sehr von außen beeinflussen lassen

Das passierte bereits die ganzen Jahre vorher, aber erst in 2020 merkte ich es richtig: Ich hörte mehr auf die Dinge, die mein Umfeld (virtuell und persönlich) mir als die „nächsten richtigen Schritte” vorschlug und setzte sie um, ohne in mich hineinzuhören und zu entscheiden, was ich wollte. Bei mir äußerte sich das in Weiterbildungen, aber auch Business-Ideen und Weiterentwicklungen meiner Selbstständigkeit.

Problem:

Ich lies mir keine Zeit, um in mich hineinzuhören, sondern saugte alles auf wie ein Schwamm. Ich wollte alles gleichzeitig und mein Umfeld suggerierte mir, dass das auch der richtige Weg sei.

Herausforderung:

Ich musste dieses Problem zunächst erkennen, daran arbeiten wollen und es letztendlich auch tun. Lass mich dir dabei sagen: Innere Arbeit ist immer viel Arbeit, aber es lohnt sich.

Learning:

Mein Umfeld wird mir nie sagen können, welcher Weg für mich der richtige ist, das kann nur ich. Wir sind in unserer (Persönlichkeits-)Entwicklung als Unternehmer nie fertig und müssen uns zwingend Zeit für uns nehmen (auch komplett abseits vom Business und Schreibtisch).

Next steps:

Ich warte nicht länger auf die nächste große Herausforderung, sondern integriere die kontinuierliche innere Arbeit in meinen Business-Alltag (z.B. durch Auszeiten, Routinen, etc.).

#6 Ich habe es meinem Sicherheitsbedürfnis erlaubt, mich und meine Selbstständigkeit klein zu halten

Ich bin ganz ehrlich: Ich hatte nie eine besonders gute Beziehung zu Geld. Ich konnte früher nicht gut mit Geld umgehen und so war bei mir auch nie genug vorhanden. Während meine Freundinnen schon im jugendlichen Alter Geld sparten, ging ich am Ende des Monats meist zu meinen Eltern und fragte sie nach ein paar zusätzlichen Euros.

Was im privaten Bereich begann, wirkte sich dann natürlich auch auf mein Business aus.

Ich wollte kein Risiko eingehen und hatte am Anfang auch große Probleme damit, in mich und mein Business zu investieren. Zu groß war der Glaubenssatz „es ist kein Geld da.“. Damit schränkte ich mein Wachstum unterbewusst ein: Ich wusste von Beginn an, dass ich mich hauptberuflich selbstständig machen möchte. Ich wusste auch, dass die hauptberufliche Selbstständigkeit ein gewisses Risiko mit sich brachte und ich war (aufgrund meines Sicherheitsbedürfnisses und meiner limitierenden Glaubenssätze) noch nicht dazu bereit, dieses Risiko einzugehen.

Problem:

Mein Sicherheitsbedürfnis hielt mich klein und mein Wachstumspotenzial (persönlich und beruflich) war dadurch enorm eingeschränkt.

Herausforderung:

Ich hatte einen ganzen Berg Arbeit vor mir: Alte Glaubenssätze auflösen, Beweise sammeln, die meine neue Realität untermauerten sowie mein Sicherheitsbedürfnis ein Stück weit loslassen waren nur der Anfang, brachten mich meiner neuen Realität aber jeden Tag etwas näher.

Learning:

Wenn ich Wachstum erleben und meine Träume verwirklichen will, gehört ein gewisses Risiko (dank der – zu Beginn – nebenberuflichen Selbstständigkeit dennoch ein geringes) einfach mit dazu. Ich nehme die Selbstständigkeit mit all ihren Herausforderungen an und freue mich auf den Weg. Wenn ich mal nicht weiterweiß, kenne ich Leute, die ich um Hilfe bitten kann.

Next steps:

Weiterhin Beweise dafür sammeln, dass ich der Selbstständigkeit gewachsen bin und jede Woche meine Komfortzone um ein Stück erweitern darf.

#7 Ich habe geglaubt, dass ich alles allein schaffen kann

Wenn ich in meinen Jahren in der (nebenberuflichen) Selbstständigkeit eines gelernt habe, dann ist es folgendes: Personen im eigenen Umfeld, die einen unterstützen und einem weiterhelfen können, sind enorm wichtig. Manchmal hat man Glück und ein solches Umfeld ist schon da, manchmal muss man es sich selbst erschaffen.

Mit anderen zusammen kann man so viel mehr erreichen als allein – und man lernt durch eine neue Perspektive und ergänzendes Wissen einer anderen Person viel dazu.

Problem:

Ich trat sehr lange auf der Stelle und fragte mich, warum ich meinem Traum der hauptberuflichen Selbstständigkeit nicht näher kam. Ich war allerdings auch nicht bereit dafür, Hilfe von außen anzunehmen. Es folgte Lustlosigkeit und Frustration.

Herausforderung:

Ich musste zu dem Punkt kommen, an dem ich erkannte und akzeptierte, dass ich nicht alles allein schaffen kann und muss. Für mich war das eine enorme Herausforderung, da ich (wie viele meiner Freunde und Bekannten meiner Generation) zu Eigenständigkeit und Unabhängigkeit erzogen wurde und diese nicht aufgeben wollte.

Learning:

Einige Kurse, Seminare und Coachings später weiß ich, dass es immer eine gute Idee ist, die für sich richtige Begleitung zu suchen.

Next Step:

Ich suche mir eine dauerhafte Begleitung durch einen Business Coach/Mentor und bin gespannt, welches Wachstum sich dadurch in meiner Selbstständigkeit ergeben wird.


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